Auf Wunsch versuche ich eine entsprechende Datei zu erstellen, was sich aber etwas hinziehen kann, da das Thema abgefuckt weitläufig ist.
Um die Sache zu vereinfachen, mach ich diesmal keine eigenen Bilder wie beim "hemden guide", sondern nehme das erstbeste google Bild.
"Gedanken zum Anzug"
Es gibt einige Grundtypen die sind immer so wie sie sind, egal welche anderen Stilmerkmale dazu kommen.
Dazu gehören:
Die Anzahl der Knopfreihen:
Entweder ein- oder zweireihig. Wer mehr gesehen hat soll mal aufhören diese Pillen zu nehmen.
Bei Einreihern sind 2 oder 3 Knöpfe am häufigsten, der 2 Knopf ist einfacher zu gestalten und gilt vielen als etwas formaler, was aber zu vernachlässigen ist.
Ein 3 Knopf Anzug ist insofern problematisch, als dass es zu hochgeschlossen und wie eine Ritterrüstung aussieht wenn das Revers erst deutlich oberhalb des obersten Knopfen ansezt.
Selbst wenn der oberste Knopf voll funktionsfähig sein soll, sollte das Revers direkt am Schlißepunkt beginnen und nicht 2 cm drüber.
Bei einigen 3 Knopf Anzügen ist das Revers mit incl des obersten Knopfes rolliert.
Zwar kann der oberste Knopf dann theoretisch noch geschlossen werden, aber es ist beabsichtigt (und sowieso viel geiler) nur den Mittelknopf zu schließen.
Einige Sakkos haben faktisch zwar 3 Knöpfe, aber der oberste ist völlig umgebügelt und das Revers setzt erst am mittleren Knopf an. Den obersten sieht man dann häufig nichtmal auf den ersten Blick!
Zweireihige Sakkos (Trenches etc.) haben innen einen zusätzlichen Knopf, mit dem die doppelte Knopfreihe stabilisiert wird.
Es sind alle möglichen Arten an Knopfkombinationen (Knöpfe/ benutzbare Knöpfe) möglich.
Die häufigste ist die 6x2, also 6 Knöpfe, wovon 2 geknöpft werden (man beachte, dass ohne Zierknöpfe nur die Hälfte der Knöpfe knöpfbar ist!).
Es gibt auch 6x1 Reihen, dort ist das Revers entsprechend länger, es gibt 6 Knöpfe und nur einer ganz unten wird geknöpft.
Es sind auch 8 Knöpfe oder 4 oder sonstwas möglich.
Die funktionslosen Zierknöpfe sind normalerweise in sich verbreitenden Reihen angeordnet.
Hier ein 6x2 Anzug
Hier ein 6x1 Knöpfung Beispiel
Bei Einreihern sind wie gesagt 2/3 Knopfanzüge das klassischste.
Mehr Knöpfe sind schon sehr besonders und bei normalen Anzügen (keine hacking jackets etc.) sieht es meist nicht allzu gut aus.
Ein Knopf ist durchaus akzeptabel wenn auch etwas speziell, in jedem Fall aber meist besser angesehen als 4 Knöpfe oder gar mehr.
Noch wichtig sind die Schlitze und Taschenarten:
Normale Geschäftsanzüge haben entweder einen Rückenschlitz oder zwei Seitenschlitze. Letzteres wirkt bei gehen etwas dynamischer und ist beim Häde inner Tasche parken praktischer!
Was man mehr mag ist Geschmacksabhängig (wenns denn interessiert!), auch die Geschichten "2 Knopf nur Seitenschlitze, 3 Knopf nur Rückenschlitz" sind Quatsch mit Soße.
Keine Schlitze gelten als Domäne der Abendgarderobe und durch das Fehlen von Schlitzen sehen viele Anzüge oft "zugetackert" aus, weshalb Schlitze bei Tagesanzügen eigentlich vorzuziehen sind.
Taschenarten:
Hier ist es einfach, da klar ziwschen mehr und weniger formalen Arten unterschieden werden kann.
Paspeltaschen, die man immer an Abendgarderobe findet sind die formalsten und schlichtesten.
Pattentaschen sind wohl die häufigste Form und auf den meisten Geschäftsanzügen zu finden.
Die Tasche ist hier von einer Klappe verdeckt.
Aufgesetzte Taschen gelten als die "lockerste" Variante - achtung, besonders beliebt bei neapolitanischen Anzügen und dort oft auch auf formaleren Anzügen zu finden.
Zusätzlich gibt es die "Ticket- oder Billettasche", eine kleinere Pattentasche über einer der normalen Pattentaschen (norm. rechts) sitzt. Dies ist wird normalerweise als ein spotives Detail gewertet, aber ein Detail eben.
Die "hacking pockets" sind schräg angesetzte Taschen (damit man bei Reiten besser reingreifen kann...), an "hacking jackets" natürlich ein Muss, an Anzügen eher selten zu finden und noch seltener schön.
Eine Kombi aus "hacking pockets" und "tickettasche" würden viele als zu locker für eine wichtige Sitzung o.Ä. halten.
Hier sieht man Pattentaschen mit einer Tickettasche. Ohne die Klappen wären es Paspeltashen.
Und dier eine aufgesetzte Tasche.
Zu guter Letzt ein richtiges "hacking jacket" mit richtigen "hacking pocket" (+ Tickettasche)
Der Sitz des Anzugs:
Bei aller Toleranz muss gesagt werden, dass durch Anwendung der Regeln und Grundsätze die in den 20ern und 30ern erstellt wurden und essentiell für die klassische Garderobe sind, immer die besten Ergebnisse erzielt werden.
Trotz der wirklich zahlreichen Stile allein innerhalb der klassisch traditionellen Kleidung, musste daran in den letzten Jahrzehnten nichts geändert werden.
Diese Grundsätze sind fast immer niemals absolut und allein gültig, sondern erfordern einen Analyse objektiver Kriterien, den Abgleich mit dem eigenen Geschmack und dann einen Relativierung.
Zu den wenigen Grundsätzen die man immer ohne Beachtung anderer Dinge befolgen kann gehören:
Der Abgleich des Schnittes von Hose und Sakko. Wenn das Sakko sehr körpernah geschnitten ist, dann sollte die Hose entsprechend schmal geschnitten sein.
Umgekehrt verhält es natürlich genauso, sonst "poppt" ein Teil raus und das Ensemble wirkt unproportional und unnatürlich.
Ob schmal oder weit oder sonstwas besser ist, hat damit nichts zu tun!
Beispielhaft sind hier z.B. die typischen 80er Anzüge mit (unnatürlich!) aufgeblasenen Schultern und starker Struktur in der Brust etc. was weitergeführt wurde durch weite Hosen mit 2 Bundfalten.
Der Gegensatz dazu wären wohl 60er typische englische Anzüge mit natürlicher bis definierter Schulter, aber ohne künstliche Schulterpolster, mit starker Taillierung und schmalen Hosen ohne Bundfalte (die hoch genug sitzen um Hosenträger (find ich geil) zu tragen, falls einer jubeln möchte).
Schulterweite:
Das Sakko darf nicht deutlich über den eigenen Schultern überstehen, sowas sieht jeder und jeder sieht, dass es nicht passt!
Die Arten eine (dann natürlich passende) Schulter zu gestalten sind übrigens sehr vielfältig, von der berühmten "spalla camicia", einer natürlichen Schulter aus der der Ärmel "wasserfallartig" fällt bis zu einer wattierten und definierten Schulter ist alles möglich und abhängig von Geschmack und Körperbau!
"Normale" Sakkolänge bei starker Hüfte:
Wenn jemand eine sehr ausgeprägte Hüfte hat und dazu einen extrem kurzes Sakko mit einer schmalen Hose trägt, dann sieht das manchmal fatal aus - die Hüfte explodiert in einigen Fällen.
Ein etwas längeres Sakko löst das Problem, eine entsprechend sitzende Hose zu finden kann je nach Körperbau unmöglich sein (und wenn es ein Anzug ist, eine zum Sakko passende sowieso)!
"Kürzere" Sakkolänge bei kleinerem/stämmigem Körperbau:
Da stämmige Menschen definitionsgemäß keine besonders betonte Hüfte haben, kann das Sakko oft problemlos in der Länge angepasst werden.
Die Beine wirken verlängert und der Anzug wirkt elongierend.
Übertreiben darf man es natürlich nicht - man muss einen Balancepunkt finden schließlich werden die Proportionen geändert, man will ja keine Gorillaarme bekommen.
Übrigens wirkt eine höher sitzende Hose in so einem Fall oft Wunder - die Beine werden (bei guten Schnitt...) nicht nur elongiert, sondern es entsteht auch keine teilende "Lücke" durch das Hemd wenn die das Sakko bei gehen schwingt/man die Hände in die Taschen steckt etc.
Drape and Shape
Wie ein Anzug geformt ist, welchen Effekt er beim Träger hat ist von Fall zu Fall höchst unterschiedlich.
Normalerweise stehen sich immer zwei Attribute gegenüber, es liegt oft eine Kohärenz zwischen den Attributen jeweils links und jeweils rechts vor:
Weit geschnitten - schmal geschnitten
Verkürzend - elongierend
Weich konstruiert - strukturiert kontruiert
Mit Faltenwurf/drape - "Puristisch"/"clean"
Weiche Schultern - definierte Schultern
Wie ein Sakko/Anzug jeweils aussieht hängt von den Materialien und der Art der Verarbeitung ab.
Ein Anzug der möglichst "weich" sein soll, wird kaumPolsterung/Wattierung in den Schultern haben und die Einlagen im Brustbereich werden weicher sein als bei einerm "Power Suit".
Bei der Verarbeitung müssen andere Nähtechniken/Konstruktionsarten verwendet werden um z.B. den Faltenwurf beim weichen Anzug zu kreieren.
Eine Schulter kann wie gesagt möglichst "natürlich" oder auch "definiert" sein, wobei "definiert" natürlich nicht unnatürlich vergrößert meint wie bei einem 80er Anzug, sondern mit etwas mehr oder härterer Polsterung/Wattierung als bei einer "natürlichen" Schulter.
Wie stark die Schulter geneigt ist (vom Hals bis zum Armloch) ist ebenfalls sehr wichtig für das Gesamtbild - eine starke Neigung lässt z.B. eine fallende Schulter entstehen (fallende, natürliche Schulter = emo).
Zusätzlich gibt es noch das "roping", die ist ist eine Art "Kranz" um das Armloch herum, der entsteht indem der Ärmel ein wenig höher als die Schulter angesetzt wird.
Drape nennt man Faltenwurf an Brust und Schulterblatt, meist kommt dieser zusammen mit einer natürlichen Schulter und oft mögen die Leute die diesen Faltenwurf möchten auch "fallende Schultern".
Dies ist dann auch schon ein sehr weiches Sakko.
Die bekanntesten Vertreter sind wohl Kiton (Neapel) in Italien und Anderson&Sheppard (Prinz Charles!) in England, obwohl beide natürlich sehr unterschiedlich sind, ist deren Stil mit "weich" zu bezeichnen.
Zwei der bekanntesten Verterter des Gegenteils, also strukturierter, anliegender Anzüge mit definierter Schulter ist mit Brioni etwas nördlich in Rom und mit Huntsman "neben an" (auch Savile Row wie A&S).
Die Brustpartie
Wie vorhin erwähnt kann die Brust (natürlich mit dem Gesamtbild korrespondierend) entweder "weich" oder "clean" sein.
Eine weiche Brust hat weniger steife Einlagen und liegt normalerweise nicht so eng am Torso an wie eine "cleane" Brust.
Der vorhin erwähnte "drape" (Faltenwurf unterhalb der Schulter) wird meist bei "weichen" Sakkos mitgeliefert.
Das Revers
Wie die meisten sicher wissen, ist das Revers der vordere Umgeschlagene Teil des Sakkos.
Oft wird dem zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, da es einen relativ großen Effekt haben kann - generell gelten schmalere, lange Revers als elongierend und breitere, besonders wenn sie relativ kurz sind, eher verbreiternd.
Ein kurzes Revers kann jedoch auch schmal sein und ein sehr langes breit, es gibt keine eindeutige Regelung.
Diese wäre auch unnötig, da das Revers wie alle andere Dinge auch in Relation zu den anderen Bestandteilen und natürlich auch einigermaßen mit dem jeweiligen Körperbau korrespondieren soll.
Die Reversbreite steht auch im Verhältnis zur Schulterbreite und kann diese ein wenig regulieren:
Jemand mit starker Bodybuilder-Figur wäre mit einem sehr schmalen Revers wohl nicht so gut beraten - es würde die sowieso schon sehr weiten/muskulösen Schultern/Oberarme noch stärker betonen und es würde ein unbalancierter Gesamteindruck entstehen.
Umgekehrt würde ein ein besonders weites Revers bei einem sehr kleinen oder korpulenten Probanden nicht nur den (auf das Gesamtbild bezogen) verbreitenden Effekt wohl eindeutig auf die negative Seite ziehen, sondern auch unnötig viel von der Schulter wegnehmen.
So würde der kleine gedrungene Mann noch kleiner und gedrungener wirken!
Ein schmaleres Revers und ein relativ tiefer oberster Knöpfpunkt (also ein längeres Revers) würden hier verlängernd wirken. So können tatsächlich eij paar Kilos unter wengier Stoff "verschwinden"!
Die Taillierung
Ein Sakko kann natürlich unterschiedlich stark tailliert sein:
Von allerextremster Wespe bis gar nicht (!).
Die "gar nicht" Version ist typisch für den traditionellen ami Sack Suit und wird heute nur noch äußerst selten angeboten. Außer am Schnitt, ist diese Variante auch an fehlenden Abnähern zu erkennen.
Wie sehr man es tailliert möchte hänge natürlich vom persönlichen Geschmack ab (ist jedoch fast immer mit einem bestimmten Stil der die anderes Merkmale zumindest grob vorgibt zusammenhängend)!
Außer der völlig untailliertern Version, muss noch zwischen einer stark punktuellen Taillierung (massiv enger an einem bestimmten Punkt) und einer sich gleichmäßig ausbreitenden Taillierung unterschieden werden.
Generell gilt, dass die Taillierung an dem Punkt an welchem der zu schließende Knopf liegt (also oberer bei 2Knopf, mittlerer bei 3 Knopf) am stärksten sein sollte.
Ein Anzug mit starker Taillierung ist nicht zwangsläufig eng geschnitten und ein Anzug mit sehr zurückhaltenden Taillierung kann sehr körpernah konstruiert sein.
Als bekannte vertreter des Stils mit starker "Wespentaillie" (bzw. "engl. milit. Stil")gelten vor allem einige englische Schneider, besonders solche die ihre Wurzeln bei der Herstellung von Uniformen und Reitjacken haben.
Dazu gehören z.B. Huntsman, Dege&Skinner und Kilgour.
Die starke Taillierung wird, wie oben erwähnt und bei diesen ganz besonders, von einer definierten Schulter, relativ steifem und "cleanen" Brustaufbau ohne "drape" und schmalerem Revers begleitet.
Damit vergleichbar ist der typische römische Stil, dessen ulimativer und Werbewirksamer Vertreter Brioni ist, jedoch ist die Taillierung weniger ausgeprägt.
Auch hier ist die Schulter definiert, der Brustbereich wird penibel glatt, "clean" und faltenwurffrei gehalten.
Oft werden Elemente wie Taschenklappen oder Revers etwas kleiner oder schmaler gestaltet um das ganze noch "cleaner" aussehen zu lassen, praktisch der morderne "Power Suit".
Vom römischen Stil gibt es noch eine "weiche" Version mit fallenden weniger definierten Schultern, drape und mittlerer Taillierung. Diese ist jedoch weitaus weniger populär als der römische "Power Suit".
Einer der wohl populärsten Stile ist der sagenumwobene neapolitanische Stil der Werbetechnisch für alles mögliche ausgeschlachtet wurde.
Das Sakko ist sehr weich konstruiert mit einer möglichst natürlichen Schulter, engen Armlöcher und relativ viel "drape".
Die Taillierung ist im Vergleich zu den englischen "Ex Uniforenmachern" minimal, jedoch liegt das Sakko sehr nah an, fast pulloverhaft.
Dies bildet auch eine große Schwierigkeit bei der Herstellung zwar Körpernah aber mit Faltenwurf vorn unterhalb der Schulter zu produzieren.
Das Revers ist typischerweise relativ breit und die Sakkos haben meist sehr tiefe Seitenschlitze, die Ausläufe liegen nah an.
Der bekannteste Vertreter ist sicher Kiton, weitere bekannte sind z.B. Attolini und Borelli.
Die am Anfang erwähnten englischen Schneider stellen eine der zwei typischen Grundrichtung die von den Engländern vertreten wird dar, die wohl etwas bekanntere eher typische der Savile Row geht mehr in Richtung der Neapolitaner und hat sehr natürliche Schultern, ist im Brustbereich weicher konstruiert mit drape, jedoch mit meist schmalerem Revers als die neapoltanische Silhouette.
Auch die Taillierung ist hier viel ausgeprägter, jedoch oft stark punktuell und nicht wie bei den "militärischen" englischen Schneidern wo sie meist in einer starken Kurve verläuft.
Es gibt noch viel mehr und alles mögliche dazwischen, spätestens im rahmen der Globalisierung haben sich alle möglichen Elemente vermischt und es gibt endlos viele Kombinationsmöglichkeiten.
Diese Aufzählung ist also keineswegs auch nur teilweise vollständig!
Wichtig ist jedoch, dass man sich die Elemente aussucht, die eine Gesamtsilhouette bilden, die dem eigenen Körper am ehesten entspricht bzw. schmeichelt!
Es fehlt noch ein kurzer Teil zu den "Sakkoausläufen" (dem Teil unterhalb der Taillie) und erläuternde Bilder zu dem ganzen quatsch da oben.







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